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Zeit: 15. Mai 2004
Ort: Bahnhöfe in Berlin-Mitte

Berlin in der Wirtschaftskrise: Die Arbeitslosenquote liegt mit 17,4 % weit über dem Bundesdurchschnitt (10 %). Der Anteil Berlins am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im Jahr 2003 erneut gefallen, diesmal um minus 1,1 %. Gestiegen ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen: 2161 im letzten Jahr. "Dann müssen eben neue Märkte erschlossen werden", sagen JaMbS & Wogs. Nach dem Vorbild Rockefellers, der mit einer innovativen Geschäftsidee vom Tellerwäscher zum Milliardär avancierte, legten JaMbS & Wogs den Grundstein für ihr Wirtschaftsimperium - mit Pfandflaschen, Illustrierten und Taschentüchern aus zweiter Hand...

JaMbS & Wogs als Jungunternehmer

Wir übernahmen die Rollen zwei gescheiterter Start Up-Unternehmer aus besseren New Economy-Tagen, deren Grundlagenkapital in den Mülltonnen der Berliner U- und S-Bahnhöfe zu finden war. Entsprechend galt es sich einzukleiden, was wir in unserer Zentrale taten. Tommy Hilfiger-Hemd, Joop-Krawatte, Rolex-Uhr, weiße Stoffhandschuhe, Sonnenbrille und schwarzer Aktenkoffer - die modisch stilsichere Extravaganz unseres Auftretens verlieh uns optisch den authentischen Charakter, der für den Erfolg unserer Aktion unverzichtbar war.

Fashionable wie nie zuvor brachen wir auf und trafen am Startpunkt U-Bahnhof Friedrichstraße auf unsere zwei Kamerafrauen Martina und Sabine. Nachdem noch während der Unterweisung unserer Assistentinnen zufällig ein Angestellter des BVG-Reinigungsdienstes kam und systematisch sämtliche Müllbehälter leerte, aus denen wir uns eigentlich anfangs bedienen wollten, begannen wir die Aktion offiziell auf dem S-Bahnsteig der Linien Richtung Süden. Eine Ansprache, dann suchten wir Müll.

Wogs wühlte vornehmlich nach unbeschädigten Verpackungen und Kartons, mein Aufgabenbereich lag im Sammeln von Pfandflaschen. Hatten wir etwas Brauchbares gefunden, öffneten wir unsere Koffer, legten das neue Fundstück hinzu oder tauschten es gegen ein altes aus. Die Koffer wurden geschlossen und die Mülltonnen mit Flyern zu unserer Aktion beklebt. Dann zogen wir gemäß unserer Route weiter.

Auf dem S-Bahnhof Potsdamer Platz bedachten uns fünf Einsatzkräfte der Polizei mit skeptischen Blicken, einer von ihnen wurde von seiner Neugier überwältigt und fragte nach dem Zweck unseres Auftretens. Wir fuhren weiter mit der U-Bahn über Mohrenstraße bis Stadtmitte und von dort zurück nach Friedrichstraße. Sämtliche Bahnhöfe wurden unter den teils fassungslosen Blicken der anwesenden Passanten von verwertbarem Abfall befreit. Als wir abschließend nahe einer Reisegruppe von Amerikanern den Müll auf dem Hackeschem Markt durchsuchten, bemerkte einer von ihnen: "Yeah, they are definitely art students"...

Ein Wertstoffbehälter wird untersucht
Eine Passantin nimmt sich einen Flyer
Wertstoff

verfasst von: JaMbS