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Telewohnzelle

Zeit: 22. August 2003
Ort: Karl-Marx-Strasse in Berlin-Neukölln

Berlin. Großstadtimage kostet. Und zwar die Mieter. Durch die Wiedervereinigung und den Regierungsumzug wurden innenstadtnahe Wohnquartiere aufgewertet und die Mieten erhöht. Die Verteuerung des Wohnraums dank Bodenspekulation und Modernisierung zwingt viele zum Auszug. "Und wohin mit den Siebensachen, wenn bezahlbarer Wohnraum knapp wird?", fragt nun mancher. "Natürlich in die Telewohnzelle!", sagen JaMbS & Wogs.

"lichtdurchflutetes Einraumappartement"

Nach einem ausgiebigen Einkauf im Baumarkt und einem Telefonat mit der Berliner Pressestelle der Deutschen Telekom AG hatten wir für die Aktion viele Requisiten und keine Erlaubnis bekommen. So beschlossen wir, die Aktion auch ohne den Segen der Telekom durchzuführen und wählten für die Durchführung zwei nebeneinander stehende Telefonzellen in der Karl-Marx-Straße, direkt zwischen Rathaus und Amtsgericht.

Gegen 11 Uhr begannen wir, diese nach unserem Konzept umzubauen. JaMbS richtete sich in seinem Wohnzimmer häuslich ein, indem er eine Uhr und ein Bild von Bismarck anhing und ein Bücherregal installierte. Außen an seiner Zelle befestigte er einen Briefkasten und legte eine Fußmatte vor die Tür. Dann setzte er sich auf seinen Hocker und spielte Ukulele. Ich war indessen damit beschäftigt, einen Spiegel an der Innenseite meiner Zelle zu befestigen. Dann stellte ich Zahnputzsachen, Klopapier und Duschaccessoires bereit und schleppte eine Toilettenschüssel heran, auf der ich während der Aktion sitzen sollte.Ich nahm in meinem Badezimmer Platz und begann mit der Lektüre alter Tageszeitungen.

Viele Fußgänger blieben stehen und äußerten sich zu der Aktion. Ein kleines Mädchen musterte uns eine Zeitlang und rief dann begeistert: "Meine Güte, ist das aber cool!" Ein älterer Herr schlug vor, daß ich mir aus meinem Hausrat eine provisorische Hütte bauen könnte und viele Jugendliche fragten neugierig nach dem Zweck der Performance. Manch einer kam sogar wieder, um unsere Aktion auch seinen Freunden zu zeigen. Andere hatten weniger Verständnis und wollten nur dringend telefonieren. Aber wir fielen nicht nur den Passanten auf, sondern erregten auch Aufsehen bei den Behörden: Zwei Verwaltungsbeamte vom Neuköllner Tiefbauamt fragten uns nach der Genehmigung für das Abstellen unserer Aktionstafel. Als wir diese nicht vorweisen konnten, stellten sie ein Ultimatum und drohten damit, unsere Requisiten zu beschlagnahmen. Nach zähen Verhandlungen konnten wir aber die Aktion bis 18 Uhr fortsetzen.

Wohnklo mit Telefonanschluß serienmäßig
Wir bei unserer Performance in den Telefonzellen.
Verhandlungen mit dem Tiefbauamt Neukölln.

verfasst von: Wogs