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Patriot Day

Zeit: 11. September 2006
Ort: US-amerikanische Vertretung in Berlin-Mitte

"America is under attack", flüsterte Bushs Stabschef dem amerikanischen Präsidenten während dessen Besuch einer Grundschule in Florida am Dienstag morgen, dem 11.9.2001, zu. So zögerlich und verhältnismäßig ruhig dieser zunächst auf die Nachricht von den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon in New York reagierte, desto kompromissloser setzte Bush sich danach über Völkerrecht und UN-Charta hinweg. Die Kriege in Afghanistan und Irak - von den USA erfolgreich als "Präventivschläge" und "Kampf gegen den Terror" verkauft - waren die Konsequenz des 9/11, pathetisch auch "Patriot Day" genannt. Schweigeminuten und zelebrierte Trauer begleiten fortan jeden Jahrestag - der Weltaggressor beweint sich öffentlichkeitswirksam. Doch JaMbS & Wogs erinnerten bei ihrer letzten Aktion daran, dass die USA in der Geschichte häufig genug Krieg und Unrecht zu verantworten hatten. Auch am 11. September...

Die Polizei überwacht den Aufbau der Aktion vor der Botschaft der USA.

Vor der US-Botschaft erwartete uns ein Mannschaftswagen der Polizei, welche unsere Aktion, die wir im Vorfeld als politische Demonstration angemeldet hatten, beaufsichtigen sollte.
Über zehn Metern Länge bauten wir 23 Flaschen der Marke Coca Cola Zero (amerikanische Softdrinkmarke, u.a. in Nordkorea und Kuba noch immer verboten) in einer Reihe auf. Vor jeder Flasche war das Datum "11. September", eine Jahreszahl und ein Ereignis zu lesen. Diese Angaben standen in Verbindung mit amerikanischen Auslandseinsätzen bzw. militärischen Interventionen der Amerikaner, welche am selben Tag in der Vergangenheit stattfanden

(11.9.1941: Shoot-on-Sight-Befehl Roosevelts, 11.9.1906, Besetzung Kubas usw.). Im Zentrum der aufeinander zuführenden Reihen stellten wir fünf Flaschen in Form des Pentagons (Hauptsitz des US-Verteidigungsministeriums, Baubeginn: 11. September 1941) auf und markierten es mit rot-weißem Absperrband. Nach dem Aufbau hatten die Passanten zunächst ausreichend Gelegenheit, das Werk zu begutachten. Um Punkt 11 Uhr startete die Aktion. Aus dem Ghettoblaster erklang die amerikanische Nationalhymne ("The Star Spangled Banner", Text aus dem Jahr 1814 , dem Sieg der Amerikaner über die Briten gewidmet).

Wogs und ich starteten jeweils von beiden Seiten der Reihe, warfen immer abwechselnd Mentos-Bonbons in die offenen Cola-Flaschen und erzeugten damit 1 bis 1,5 m große Fontänen. Fortan bildeten sich immer größere Pfützen jener braunen Limonade unter uns aus. Als wir uns erreichten, trat Wogs schließlich mit einem Schritt in das Flaschen-Pentagon und zitierte Bushs alljährliche Patriot-Day-Rede ("Now therefore, I, George W. Bush, (...) do hereby proclaim September 11, 2006, as Patriot Day"...).

Abschließend brachte ich die letzte Cola-Flasche zum "explodieren". Die Aktion rief von Seiten der Passanten sowohl Unverständnis ("das sind doch nur Hetzparolen gegen die USA!") als auch Verwunderung hervor ("Ist das hier Werbung, Kunst oder Trauer?!"). Nach der Performance erklärten wir die Versammlung für beendet - zurück blieb ein cola-getränktes Ground Zero vor der US-Botschaft in Berlin.

Schon werden die ersten Passanten aufmerksam.
JaMbS und Wogs zünden die Cola-Flaschen.
Wogs hält eine Proklamation von George W. Bush.

verfasst von: JaMbS