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Mauerstreifen

Zeit: 09. November 2004
Ort: Berliner Innenstadt

Berlin - 15 Jahre nach dem Mauerfall. Der antifaschistische Schutzwall wurde inzwischen von findigen Geschäftsleuten portioniert und an Touristen aus aller Welt verkauft. Für die Deutschen existiert die Berliner Mauer nur noch in den Köpfen und im Geschichtsbuch. JaMbS & Wogs machten wieder sichtbar, woran sich manch einer heute gerne erinnert: die deutsch-deutsche Grenze in der Hauptstadt.

Am Tag des Mauerfalls rüsten wir uns mit 4,2 km Toilettenpapier aus.

Zunächst begaben wir uns zu Lidl und kauften 4,2 km Toilettenpapier. Dieses luden wir in unseren von den Hornbach-Baumärkten geliehenen Einkaufswagen und begaben uns zum Ausgangspunkt in der Nähe vom U-Bhf. Moritzplatz. Dort verharrten wir, während die legendäre Rede Erich Honeckers aus dem mitgebrachten Ghettoblaster ertönte ("Die Mauer wird auch in hundert Jahren noch bestehen bleiben..."). Mit der sich anschließenden Nationalhymne der DDR ("Auferstanden aus Ruinen...") starteten wir die Markierungsarbeiten.

Wir liefen die Sebastianstraße entlang durch ein Wohngebiet; bogen erst links in die Alexandrinerstraße und anschließend rechts in die Stallschreiberstraße ein. Dort hielt plötzlich ein Auto mit quietschenden Reifen neben uns. Ein älterer Mann stieg aus und beschimpfte uns. Unbeeindruckt ließen wir ihn stehen und bahnten uns - stets begleitet von staatssozialistischer Musik - unseren Weg zur Axel-Springer-Straße, vorbei an dem Gebäude des gleichnamigen Verlags.

Die Treue der Markierung war das oberste Gebot, daher legten wir das Toilettenpapier auch auf Privatbesitz und quer über Fahrbahnen aus. Hinter dem Checkpoint Charlie bat ein bedürftiger Mann um ein Paket Klorollen für seine Familie. Das Wetter war der Jahreszeit entsprechend bescheiden: 2 Grad über Null, eisiger Wind und ständiger Nieselregen. Letzterer hatte zumindest den einen Vorteil, daß er das Papier auf dem Pflaster fixierte und vor dem Wegwehen bewahrte.

Vor dem Berliner Abgeordnetenhaus in der Niederkirchnerstraße griff die Polizei ein. Sie nahm uns vorläufig in Gewahrsam und konfiszierte das Toilettenpapier. Nach dem Verhör erstattete die Staatsanwaltschaft Anzeige wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und Bannkreisverletzung. Wieder einmal drohten uns je 30 Tagessätze. Bei der Gerichtsverhandlung am 21. Juni 2006 wurde das Verfahren jedoch eingestellt.

JaMbS & Wogs markieren den ehemaligen Grenzverlauf der Berliner Mauer.
Vor dem Abgeordnetenhaus greift die Polizei ein.

verfasst von: Wogs