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Lyrik Waggon
Konsumtempel

Lyrik Waggon

Zeit: 17. März 2002
Ort: Berliner U-Bahn, Linie 1

Ein kurzes hektisches Drängeln am Bahnhof, dann schließen sich die Türen. Schreiende Schulkinder, grölende Punks und telefonierende Geschäftsleute - Berlin: ein Leben in der U-Bahn. Und diese feiert 2002 ihren 100. Geburtstag. Anlass genug, der BVG ein wenig poetischen Charme zu verleihen, dachten JaMbS & Wogs, und trugen in der Linie U 1 Gedichte vor.

Die legendäre Linie U1 verbindet die Hauptstadt.

Noch Tage zuvor bereiteten wir uns intensiv auf die lyrische Zug-Präsentation vor und sammelten eine große Auswahl von Werken verschiedenster Poeten aus den letzten Jahrhunderten. Eines Morgens im März war es dann soweit. Mit einem progressiv gestalteten Pappkarton und der Aufschrift "Kulturvertreter im Einsatz" begaben sich eben diese gegen 10.00 Uhr zum U-Bahnhof Warschauer Straße, der End- und Starthaltestelle der Linie U 1, Richtung Krumme Lanke. Wir stiegen in den letzten Waggon und befestigten den Karton an der Querhaltestange über der Tür im mittleren Abschnitt des Wagens. Einen kurzen Moment später schlossen sich die Türen, die Tonsignale verstummten - und ca. zwanzig ahnungslose Passagiere waren gefangen in der spontan okkupierten Wirklichkeit einer selbst erschaffenen Bühne, die JaMbS & Wogs nun gemeinsam betraten.

"Einen schönen guten Tag, sehr geehrte Fahrgäste, wir sind die Kulturvertreter im Einsatz...", begann ich meine Ansage, wies in kurzen Worten auf die Unverzichtbarkeit lyrischer Elemente im öffentlichen Nahverkehr hin, erwähnte den passenden feierlichen Charakter unserer folgenden Darbietung im Rahmen des hundertjährigen Bestehens der Berliner U-Bahn, um dann schließlich Wogs den Vortritt zu lassen. Wogs begann mit Erich Kästners "Moral", ich leitete über zu Elisabeth Borchers´ "Der Soldat". Es folgten Gedichte von Lessing, Heine, Fontane, Tieck, Busch und vielen anderen. Die poetischen Beiträge waren gegliedert in die bezirkskongruenten Themengebiete "Gesellschaft", "Land und Leute", "Melancholie" und "Tod". Dazu kamen Highlights wie Nikolaus Lenaus "An einem Grabe" und natürlich Johannes von Fallerslebens "Lied der Deutschen", in drei Strophen. Man nahm es stillschweigend zur Kenntnis. Fahrgäste kamen und gingen, zwischendurch waren es fünf, am Wittenbergplatz ca. 35. Einige lauschten angeregt, andere fotografierten oder verließen entrüstet den Waggon. Die Aktion endete mit Wogs und Erich Frieds "Zu guter Letzt" - sowie der Spende eines älteren Herrn: 6 Cent.

Genug Publikum dank Hauptverkehrszeit
"Endstation - bitte alles aussteigen!"

verfasst von: JaMbS