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Zeit: 12. Januar 2002
Ort: Kaisers Verbrauchermarkt in Berlin-Prenzlauer Berg

Ohne Zweifel war bereits die erste Aktion ein Meilenstein hinsichtlich unseres späteren Anspruchs, die Öffentlichkeit mit unseren gesellschaftskritischen wie -persiflierenden Auftritten zu konfrontieren. Wir nannten dies später im Zuge der Professionalisierung Sozialperformance. Dabei war es zunächst weniger ein ideeller und sozialer Gedanke, der die künftige Laufbahn der "Aktionskünstler für die Hauptstadt" begründen sollte, als vielmehr ein pragmatischer: Hunger.

In diesem Supermarkt begann unsere Karriere.

Die Idee, in einem großen Lebensmittelgeschäft den Einkauf gleich vor Ort zu verzehren, keimte bereits lange in uns und am Morgen des 12. Januar 2002 fühlten wir uns dann auch dazu berufen, den Gedanken konsequent in die Tat umzusetzen: Warum nicht mal direkt bei Kaiser´s frühstücken?Die Vorbereitung war komplikationslos: Drei schlichte Holz-Hocker, Messing-Besteck und ein silberfarbener Toaster dienten als Aktions-Werkzeuge, mit denen wir uns um ca. 10:30 Uhr auf den Weg in die Conrad-Blenkle-Straße machten. Dort angekommen, nahmen wir uns einen Einkaufswagen und füllten ihn mit Frühstücksbedarf (Toastbrot, Marmelade, Cornflakes etc.). Wogs und ich begaben uns zur Kasse, zahlten den Einkauf - und gingen wieder in die Filiale hinein.Unser Standplatz war zwischen den Regalen für Damen-Unterwäsche und Fertiggerichten. In Seelenruhe stellten wir die Hocker auf, holten das Frühstück aus dem Wagen und fingen an, zu sortieren. Eine ca. Mitte 40 Jahre alte Filialangestellte musterte unser Treiben skeptisch, kam dann auf uns zu und fragte, was wir denn hier unternehmen würden. "Frühstücken!" antwortete Wogs. War ja auch die Wahrheit. Ein kurzer Wortwechsel folgte, dann wurden wir dazu aufgefordert, die Aktion draußen fortzusetzen bzw. hinter die Kasse zu verlagern.

Und genau in dem Abschnitt zwischen Kassenbereich und Ausgang versuchten wir es nochmal: Hocker aufgestellt, Toaster an Steckdose geschlossen, Wageninhalt ausgeräumt und gefrühstückt.

Mit Mienen zwischen Verständnislosigkeit, Neugier, Verwunderung und Ignoranz liefen die Kaiser´s Kunden an uns vorbei, einige tuschelnd, andere schweigend staunend. Nach einer halben Stunde kam eine weitere Hausangestellte auf uns zu und erläuterte, einige Kunden hätten sich über uns beschwert, sie hätte inzwischen die Polizei gerufen, und forderte uns auf, entweder 60 DM Miete zu zahlen - oder zu gehen. Unser Frühstück war eh beendet und wir verließen den Kaiser´s-Laden. Ein Polizeiwagen ist uns auf dem Heimweg nicht begegnet...

Die Regale sind voll mit Frühstücks-Leckereien.
Koifen, kommen´s koifen! Bier und Kaffee
An dieser Stelle fand unsere Aktion statt.

verfasst von: JaMbS